"Zauber" ist noch untertrieben
Ich muss an dieser Stelle mal ein Geständnis ablegen, aus gegebenem Anlass. Es ist Thomas Mann Jahr, bzw. 50 Jahre ist er tot. Und selbst ich kann es nicht ganz verdrängen, insbesondere den Zauberberg
In meiner vor-zauberbergschen Zeit war ich ein vorlauter Mensch, der eigentlich ständig las, der gar nicht anders konnte als lesen. Im Zweifelsfall die Telefonbücher oder Beipackzettel oder was eben so rumliegt. Ich wohnte noch bei meinen Eltern und machte mich jahrelang über meine Mutter lustig, die jahrelang am gleichen Buch las: Dem Zauberberg. Irgendwann, nach etwa 2 Jahren, entwendete ich ihr das Buch um ihr zu zeigen wie man sowas richtig liest. "Durchlesen", wie unsere neue Kanzlerin sicher sagen würde. Ich fing auch recht gut an und hatte auch auf Seite 312 noch die Hoffnung, dass ausser kirgisenäugigen Türknallereien mal was passieren würde. Die Hoffnung dem Buch irgendeinen Unterhaltungswert zu entreissen verliess mich spätesetns bei der Szene im Schnee, die 200 Seiten mit Setembrini, Sie erinnern sich?
Irgendwann verstand ich, dass das besondere, das zauberhafte an diesem Buch die Zeit ist. Die erzählte Zeit entspricht auch der Lesezeit, 7 Jahre Davos. Nirgends sonst in der Literatur wird Eintönigkeit so überzeugend vermittelt. Ich las immer kürzere Abschnitte, bevor ich in Tiefschlaf verfiel. Von Seite 645 an las ich wortweise. Und ich will jetzt natürlich keine Behauptungen über das Genie Thomas Mann aufstellen, aber der Roman endet dann doch seltsam abrupt, fast als wäre es dem Meister selbst dann doch etwas zu viel geworden...
Der aktuelle Anlass ist jetzt der, dass ich mir dachte, vielleicht kann man ja den Film
Der Film ist übrigens nicht sonderlich gut. Filme, die dem Publikum am Anfang sagen muussen worum es überhaupt geht, denen fehlt was grudlegendes, und sei es nur der Respekt vorm Publikums. Aber das ist möglicherweise gar nicht das Problem. Es ist die ohnmächtige Wut, die mich angsichts dieses Machwerks überkommt. Diese Wut angesichts der Zumutung, angsichts des beschriebenen Nichts, angesichts des Respekts der dem Ungetüm gezollt wird, ist es die mich zermürbt. So wurde aus dem vorlauten Vielleser ein kleinlauter Seletivleser. Im Zauberberg bin ich an meine Grenzen gestossen. Ich könnte jetzt fortfahren und mich in kleinlichen Beleidigungen ergehen, aber ich werde mich bemühen meine Niederlage in Würde zu begehen.

2 Comments:
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thanks
johnny
nachdem ich 'die buddenbrooks' in gänze gelesen hatte, war ich wochenlang sauer auf mich, eben weil ich meinte, es bis zum ende lesen zu müssen. zauberberg erschien mir dann zuviel der selbstkasteiung.
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